An rund 1200 Arbeitsplätzen in Baden-Württemberg ist der auf disy GISterm basierende Viewer des Landesentwicklungs-GIS (LEGIS) zugänglich. Er erlaubt im Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum, in Landkreisen und Regierungspräsidien den Zugriff auf die Daten der Flurneuordnung. Jetzt wird er bei der LBBW Immobilien Landsiedlung GmbH auch für den so genannten Bodenfonds genutzt.
Interaktive Karten mit aktuellen Geoinformationen und Planungsständen sind für Verfahren der Flurneuordnung unverzichtbar. In Baden-Württemberg nutzen die damit befassten Behörden das eigens für diesen Zweck vom Informatikzentrum der Landesverwaltung (IZLBW) entwickelte Landesentwicklung-GIS (LEGIS) als Produktiv-System für mehrere hundert Flurneuordnungsverfahren. Ergänzt wird LEGIS durch den auf disy GISterm basierenden LEGIS-Viewer. Diese ebenfalls vom IZLBW als Citrix-Metaframe an landesweit über 1000 Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellte Client-Lösung erlaubt einen unkomplizierten lesenden Zugriff auf die Daten der Flurneuordnung. Sie macht es zusätzlich möglich, weitere Datenbestände Dritter einzubinden, um zum Beispiel Lage und Umfang von Schutzgebieten zu berücksichtigen oder Planungsdaten zu integrieren, wenn etwa eine neue Straße den Anstoß zur Flurneuordnung gibt.
Jetzt eröffnet sich für den LEGIS-Viewer ein weiteres Anwendungsfeld: das Management des so genannten Bodenfonds bei der LBBW Immobilien Landsiedlung GmbH. Seit 1980 fasst das Land Baden-Württemberg Flächen aus Bodenreformen, öffentlich finanzierte Grundstücksbestände und Liegenschaften der landeseigenen LBBW Immobilien Landsiedlung GmbH im Bodenfonds zusammen. Er dient gewissermaßen als „Flächensparbuch“, um Ausgleichs- und Ersatzgrundstücke anbieten zu können, wenn beispielsweise beim Bau von Straßen oder geplanten Firmenansiedlungen bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche umgewidmet wird oder Landwirte komplette Ersatzhöfe benötigen. Das Management dieses Bodenfonds gehört seit der Gründung der Landsiedlung Anfang der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts zu den Kernaufgaben des Unternehmens.
Berührungspunkte zu den Verfahren der Flurneuordnung ergeben sich bei der Verwaltung des Bodenfonds nahezu naturgemäß. Die Flurbereinigungsbehörden arbeiten daher regelmäßig mit der Landsiedlung zusammen. Das Unternehmen moderiert etwa Verfahren des freiwilligen Landtausches und bereitet so Entscheidungen in der Flurneuordnung vor. In diesem Zusammenhang nutzt die Landsiedlung bereits LEGIS und den LEGIS-Viewer.
Die grundsätzliche Offenheit von disy GISterm gegenüber unterschiedlichen Sach- und Geodatenformaten aus zahlreichen Quellen macht es technisch gesehen relativ unkompliziert, den darauf basierenden LEGIS-Viewer für weitere Anwendungsszenarien über den ursprünglichen Zweck hinaus einzusetzen. So lag es nahe, die Geo- und Sachdaten aus der Verwaltung des Bodenfonds ebenfalls im LEGIS-Viewer darzustellen und dort auch direkt mit Daten der Flurneuordnung zusammenzubringen. Damit hat der LEGIS-Viewer seine Bedeutung als ämter- und institutionenübergreifende technische Infrastruktur für die landesweiten Aufgaben der Flurneuordnung weiter ausgebaut.
Und die nächste Neuerung ist bereits in Arbeit: Noch arbeitet der Viewer auf einem aus der Datenbank von LEGIS ausgelesenen, filebasierten Datenbestand. Dies wird mit der neuen Version der Lösung von disy durch das Open-Source-Datenbanksystem PostgreSQL sowie dessen Erweiterung PostGIS ersetzt. In dieses System sollen regelmäßig Auszüge aus der Datenbank des Originals übernommen und für weitere Auswertungen und Aufgaben nutzbar gemacht werden. Dazu zählt zum Beispiel auch die von der Landsiedlung dringend gewünschte Abfragemöglichkeit der Daten allein anhand der Flurstücksnummer.

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