Mit MILAN erstmals Wege- und Gewässerpläne medienbruchfrei erstellen

Das LGL hat mit MILAN ein IT-Verfahren auf der Basis von Cadenza entwickelt, das aus einem Desktop-GIS und einer offlinefähigen mobilen Komponente besteht und mit dem Wege- und Gewässerkarten medienbruchfrei erstellt werden können.

Mit MILAN erstmals Wege- und Gewässerpläne medienbruchfrei erstellen

Seit 2015 arbeitet das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (LGL) mit dem IT-Fachverfahren MILAN. MILAN steht dabei für „Software für die methodische, graphische Informationsverarbeitung in der Landentwicklung“. Bemerkenswert und bundesweit einmalig ist, dass mit der MILAN-Fachschale „Wege- und Gewässerkarte“ alle Arbeitsschritte – von der Bereitstellung der benötigten Geodaten über die mobile Vor-Ort-Erkundung und Datenerfassung im Feld bis hin zur Ausarbeitung der Wege- und Gewässerkarte – medienbruchfrei umgesetzt werden können. Neben der Erstellung der Wege- und Gewässerkarten wird das Verfahren auch für alle Arbeitsschritte im Zuge der Anordnung von Flurneuordnungsverfahren eingesetzt, so beispielsweise für den Datenabgleich mit der ALKIS-DHK des Liegenschaftskatasters und für die Erstellung der Gebietskarte.

MILAN besteht aus einem Desktop-GIS sowie einer mobilen Komponente und basiert auf der von Disy entwickelten Software-Plattform Cadenza. Für das Desktop-GIS, das als Terminalserverlösung genutzt wird, wird Cadenza Desktop eingesetzt, für die Mobilkomponente kommt Cadenza Mobile zum Einsatz. Die Daten werden zwischen den Komponenten über den Mobile Server von Disy ausgetauscht, der bei der IT Baden-Württemberg (BITBW), dem IT-Dienstleister der Landesverwaltung, betrieben wird. Die Daten werden in einer PostgreSQL-Datenbank gehalten. „Wir haben uns für Cadenza entschieden, weil man mit der App auf handelsüblichen Tablets offline Fachdaten recherchieren, erfassen und bearbeiten kann“, erklärt Günter Eitel, Leiter des „Referates 33 – IuK Flurneuordnung und Liegenschaftskataster“ des LGL. Die Bedienung der App setze außerdem kein Expertenwissen voraus, sie sei komfortabel und nutzerfreundlich.

In der praktischen Anwendung sieht die Erstellung der Wege- und Gewässerkarten dann so aus: Zuerst stellt der Mitarbeiter die vor Ort benötigten Geodaten für Kartierungs- und Abstimmungsaufgaben am Desktop-GIS Cadenza zusammen und veröffentlicht sie auf dem Mobile Server. Dazu gehören beispielsweise die Geobasisdaten des Landes Baden-Württemberg, die Geodaten der Umweltverwaltung, die in regelmäßigen Abständen mittels Geodatendiensten aktualisiert werden, aber auch alle weiteren für die Bearbeitung von Flurneuordnungsverfahren benötigten Geofachdaten. Das Geodatenangebot kann über einfache Systemkonfigurationen jederzeit erweitert werden. Vom Mobile Server kann der Mitarbeiter die Daten auf sein Tablet übertragen. Mittels der GIS-App „Cadenza Mobile“ können dann alle bei der Planung zu berücksichtigenden Besonderheiten im Verfahrensgebiet georeferenziert erfasst werden. Alle übertragenen Datenbestände stehen auch offline zur Verfügung und können mit Fingergesten ein- und ausgeblendet sowie vergrößert und verkleinert werden. Die vor Ort erhobenen Feldnotizen werden anschließend an den Mobile Server zurückgeschrieben. Der Anwender am Desktop-GIS kann sie sich dort abholen, in einer Datenbank abspeichern und für die nächsten Arbeitsschritte verwenden. Dafür stehen in der für das Projekt entwickelten Fachschale „Wege- und Gewässerkarte“ alle benötigten Objektarten wie beispielsweise die verschiedenen Ausbauarten von Wegen in einer landeseinheitlichen Symbolik zur Verfügung.

Da die mobile Mitnahme und Erfassung digitaler Daten für den Planungsprozess eine Neuerung ist, wurde die Mobilkomponente zunächst ausführlich im Pilotbetrieb bei mehreren Flurneuordnungsdienststellen getestet. Die Erfahrungen der Testanwender sind direkt in die weitere Anpassung der GIS-App sowie in die Konfiguration des Datenaustauschs und in den Aufbau des Gesamtsystems eingeflossen. „Dieser Pilotbetrieb der Mobilkomponente ist inzwischen erfolgreich abgeschlossen und sie wird in Kürze produktiv gehen“, kündigt Günter Eitel an. Er wird außerdem auf der 39. Bundestagung der Deutschen Landeskulturgesellschaft (DLGK) am 27. September 2018, um 10.45 Uhr in einem Vortrag mit dem Titel „MILAN – Tablet-Anwendung zur Erstellung des Wege- und Gewässerplanes“ das Projekt vorstellen. Die Tagung, die unter dem Motto „Landentwicklung 4.0“ steht, findet vom 26. bis 28. September 2018 im Bad Berleburg statt.