Wildunfälle bundesweit erfassen und analysieren

Das Tierfund-Kataster des DJV dient der bundesweiten Erfassung und Auswertung von Wildunfällen und Totfunden. Durch die Einführung von Cadenza können jetzt alle Arbeiten mit einem durchgängigen und konfigurierbaren Werkzeug abgedeckt werden.

Wo finden die meisten Wildtierunfälle statt? Welche Tierarten sind davon am stärksten betroffen? Welche Maßnahmen der Verkehrsplanung tragen zur Verringerung von Wildtierunfällen bei? Wie können der Erhalt, die zukunftsgewandte Weiterentwicklung und der Schutz von Wild, Jagd und Natur erreicht werden? Fragen wie diese gehören zum Aufgabenbereich des Deutschen Jagdverbands e.V. (DJV), dem als Dachverband 15 Landesjagdverbände mit 245.000 Jägern angehören.

Deshalb hat der DJV in Zusammenarbeit mit dem Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ein bundesweites System für eine einheitliche und vor allem ortsgenaue Erfassung von Wildunfällen aufgebaut.

Ob per App auf dem Smartphone oder direkt auf dem Webportal: Der Dachverband ruft alle Verkehrsteilnehmer und Naturfreunde auf, direkt vor Ort die Unfalldaten mobil per App auf dem Smartphone zu erfassen. In der übersichtlichen Eingabemaske lassen sich neben Datum, Uhrzeit und Fundort auch die Angaben zur Tierart und Unfallursache mit Hilfe von Auswahllisten erfassen. Ergänzend kann auch ein Foto des Tierfunds hochgeladen werden.

Da das individuell entwickelte Vorgängersystem des Tierfund-Katasters technologisch in die Jahre gekommen war, beschloss der DJV im Jahr 2018 zusammen mit der CAU, das bestehende Tierfund-Kataster auf eine neue moderne Basis zu stellen. „Bei unserer Softwareentscheidung standen die Aspekte zeitgemäße Bedienung, eine intuitive Bedienoberfläche für die Nutzer sowie Performanz und Administrierbarkeit im Vordergrund“, erläutert Susann Krüger, Referentin für Wildökologie und Wildtiermanagement beim DJV.

„Wir wollten ein professionelles und konfigurierbares Werkzeug, das alle Funktionalitäten von der Tierfunderfassung, über deren Auswertung bis hin zur Berichtsgenerierung bietet“, so Frau Krüger weiter. Der DJV entschied sich für den Einsatz von Cadenza – die Plattform für Data Analytics, Reporting und GIS –, weil sie auch die Möglichkeit bietet, Fachanwendungen für die Erfassung komplexer Daten zu integrieren.

Das neue Tierfund-Kataster basiert auf Cadenza Web und wurde vom Partnerunternehmen DigSyLand in Zusammenarbeit mit Disy umgesetzt. Inhaltlich-funktionale Abstimmungen fanden zusammen mit dem DJV und der CAU statt. In der ersten Projektphase wurden die Benutzerverwaltung und eine auf „Cadenza Web“-basierte Fachanwendung für die Erfassung von Tierfunden umgesetzt. Dabei konnten alle bestehenden Nutzer erfolgreich übernommen werden. Im Zuge des weiteren Projektverlaufs wurde die bisherige Erfassungsanwendung durch eine PHP-basierte Anwendung ersetzt und über den Fachanwendungsrahmen an Cadenza Web angebunden. Als Datenbank wird PostgreSQL genutzt.

 

Das Tierfund-Kataster bietet dabei zwei Arten von Zugängen: einen öffentlichen Zugang, über den alle interessierten Personen die Möglichkeit haben, sich einen Überblick über Tierfunde in ganz Deutschland zu verschaffen, sowie einen Zugang für registrierte Nutzer.

Der neue Online-Auftritt des Tierfund-Katasters erleichtert es, Funde aggregiert und geclustert auf Länderebene darzustellen oder die Detailansicht einer bestimmten Region aufzurufen. Mit einem Klick auf die einzelnen Funde werden weitere Details angezeigt, etwa zu Tierart, Geschlecht oder Funddatum. Ein Link zum passenden Tiersteckbrief ist ebenfalls enthalten.

Registrierte Nutzer können über die Cadenza-Web-Fachanwendung ihre Funde eingeben, bis zu drei Monate nach Eintragung bearbeiten und sich ihre Einträge auf einer Karte darstellen lassen. Sie haben sogar weitergehende Auswertungsmöglichkeiten: Ihre Daten lassen sich beispielsweise nach den am häufigsten gemeldeten Tierarten oder Todesursachen selektieren. Die Anwender werden dabei durch eine leicht verständliche Hilfe zu den wichtigsten Tools unterstützt.

Die Funde, die bundesweit über das Webportal oder die mobile Tierfund-Kataster-App erfasst werden, stellen einen sehr wertvollen Datenbestand dar: Sie dokumentieren die Konfliktstellen von Menschen und Wildtieren im Straßennetz und sind damit die zentrale Grundlage für Entscheidungsprozesse von Behörden und Wissenschaftlern in den Bereichen Straßenbau, Versicherungswesen und natürlich Artenschutz.

„Wir freuen uns sehr, dass wir zusammen mit dem Projektteam innerhalb der kurzen Projektlaufzeit das Tierfund-Kataster auf eine neue technologische Basis stellen konnten. Mit Cadenza Web konnten alle Projekt-relevanten Aspekte abgedeckt werden. Darum haben wir zukünftig noch einiges vor mit Cadenza“, gibt Frau Krüger einen Ausblick auf die nächsten Schritte. So arbeitet der DJV aktuell an der Publikation von Wildtiermonitoringdaten mit Cadenza. Zukünftig sollen diese Daten über das DJV-Portal für alle interessierten Personen digital und interaktiv erreichbar sein. So schafft der DJV einen zeitgemäßen Datenzugang für seine Mitglieder.