Barrierefreie Web-Anwendungen – Auf was Sie achten müssen

Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) sorgt seit mehr als 10 Jahren dafür, dass öffentlich zugängliche Web-Angebote des Bundes in barrierefreier Form bereit stehen und durch behinderte Menschen genutzt werden können.

Barrierefreie Web-Anwendungen – Auf was Sie achten müssen

Barrierefreie Web-Anwendungen – Auf was Sie achten müssen

Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung – kurz BITV – sorgt bereits seit mehr als 10 Jahren dafür, dass öffentlich zugängliche Web-Angebote des Bundes in barrierefreier Form bereit stehen und auch durch behinderte Menschen genutzt werden können. Für die einzelnen Bundesländer gelten bislang jeweils eigene Regelungen für Barrierefreiheit, doch immer mehr folgen den Vorgaben des Bundes und setzen die aktuelle Version BITV 2.0 als Maßstab für ihre Web-Präsenzen. So ist Barrierefreiheit inzwischen längst kein Randthema mehr, sondern wird vielerorts heiß diskutiert. Disy beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Themenkomplex der Barrierefreiheit und dies nicht nur in der Rolle des Softwareherstellers, sondern auch beratend, etwa durch Prüfung von Lösungen Dritter auf Erfüllung der Anforderungen an die Barrierefreiheit.

Entscheidend für einen hohen Grad an Barrierefreiheit sind zunächst vor allem technische Aspekte: Valides HTML und die sinnvolle Vergabe von Alternativ-Texten für bildhafte Elemente sind wichtige Punkte, die jedem Web-Designer sofort in den Sinn kommen. Doch diese alleine reichen noch lange nicht aus, um die Anforderungen an eine barrierefreie Web-Anwendung zu erfüllen. So muss diese zum Beispiel auch mit einer breiten Palette an unterschiedlichsten Endgeräten zurechtkommen. Hierbei ist ein hoher Grad an Kompatibilität zu verschiedenen Browsern auf verschiedenen Endgeräten nicht nur dafür gut, dass jeder Anwender seinen Lieblingsbrowser auf seiner Lieblingshardware nutzen kann. Vielmehr ist sie auch Voraussetzung dafür, dass behinderte Anwender Spezialsoftware wie einen Screenreader erfolgreich nutzen können, um beim Bedienen der Anwendung unterstützt zu werden.

Auch Responsive Webdesign, das Paradigma, dass sich Web-Anwendungen auf die Eigenschaften des jeweiligen Endgerätes einstellen, dient nicht alleine dazu, diese auf Smartphones und Tablets gut aussehen zu lassen: Auch viele sehbehinderte Anwender stellen ihre Displays bewusst auf eine kleinere Auflösung ein, um die Inhalte durch die damit größere Darstellung besser erkennen zu können. Damit dies funktioniert, muss sich auch die Anwendung an die geringere Bildschirmauflösung einstellen, indem sie schlichter und kompakter wird. Cadenza Web blendet hierzu zum Beispiel einige Steuerelemente aus und hat somit bei geringerem Bildschirmplatz eine schlankere Programmoberfläche. Für zukünftige Versionen von Cadenza sind hier noch weitergehende Verbesserungen geplant, etwa eine nochmals kompaktere Komponente zur Themenauswahl auf besonders kleinen Displays.

Technische Möglichkeiten zur Verbesserung der Barrierefreiheit gibt es viele. „Wer aber bei diesen rein technischen Aspekten aufhört und Barrierefreiheit nur auf Basis der Softwaretechnik abhandeln möchte, geht nicht weit genug“, meint Markus Gebhard, Entwicklungsleiter bei Disy. Entscheidend ist hier vielmehr, ob die eigentlichen Anwendungsfälle, für die eine Anwendung gemacht ist, auch durch behinderte Nutzer erreicht werden können. Neben barrierefreien Such- und Navigationsmechanismen sind hier vor allem geeignete Visualisierungen entscheidend. Oftmals ist für nicht eingeschränkte Menschen eine Kartendarstellung das Mittel zur Informationsvermittlung, denn darin lassen sich mit vielfältigen grafischen Signaturen sehr umfangreiche und komplexe Daten anschaulich darstellen. Doch gerade die Darstellung als Karte ist aus Sicht der Barrierefreiheit problematisch: Zwar kann durch geeignete Farbwahl und Optimierung von Kontrasten die Barrierefreiheit meist verbessert werden, für einen sehr stark sehbehinderten Menschen ist jedoch bislang noch keine Methode bekannt, allgemeine bildhafte Karten so aufzubereiten, dass deren Inhalte gut erfasst werden können.

Doch auch wenn die Karten bei den meisten Anwendern sehr beliebt sind, so sind es doch am Ende meist eher einfache Aussagen, die der Anwender als Ergebnis seiner Recherche sucht. Beispielsweise ist bei der Ermittlung des Solarpotenzials von Hausdächern eine Kartendarstellung für den uneingeschränkten Anwender in Ordnung. Die eigentlich gesuchte Information reduziert sich aber in der Regel darauf, den erzielbaren Solar-Ertrag für ein bestimmtes Gebäude zu ermitteln. „Entscheidend ist es, hier geeignete Alternativ-Darstellungen anzubieten, so wie es Cadenza Web mit seinen flexibel miteinander verknüpften Ergebnisansichten schon seit vielen Jahren anbietet“, erläutert Markus Gebhard weiter. So kann das Solarpotenzial neben der Kartendarstellung auch tabellarisch oder als ausführlicher, dynamisch generierter PDF-Report mit barrierefreien Textblöcken und Berechnungsergebnissen angezeigt werden. Dadurch kann jeder Anwender die für ihn attraktivste oder barrierefrei erreichbare Ergebnisdarstellung individuell auswählen.

Insgesamt betrachtet sind also für ein barrierefreies Informationsangebot sowohl die Software als auch der fachkundige Einsatz des Datenredakteurs gefordert. Wenn die zu erfüllenden Anwendungsfälle klar herausgearbeitet sind und für diese dann verschiedene Arten der Ergebnisdarstellung alternativ in einer responsiven Web-Anwendung angeboten werden, steht schließlich auch einer kartenbasierten BITV 2.0-kompatibleben Web-Anwendung nichts mehr im Wege.

 

Weitere Informationen

Versenden Drucken Schlüsseltechnologien als Innovationsmotoren