Neue Datenstruktur für die Energiewende in Bayern

Der Energie-Atlas Bayern als zentrales Online-Informationsportal für die Energiewende hat eine grundlegend neue Datenstruktur erhalten. Disy hat den nötigen Umbau der Oracle-Datenbank und den Einsatz des ETL-Tools Talend konzipiert und realisiert.

Neue Datenstruktur für die Energiewende in Bayern

Bayern hat bei der Energiewende die Nase vorn – im Jahr 2014 konnte das Bundesland die höchsten Erfolge bei der Nutzung Erneuerbarer Energien aufweisen (Quelle: Studie des DIW u.a.). Nirgendwo sonst sind so viele Pelletheizungen, Kellerkraftwerke und Wärmepumpen im Einsatz, und in keinem anderen Bundesland zeigen die Menschen so viel gesellschaftliche Akzeptanz für Erneuerbare-Energien-Anlagen. Zu verdanken ist dies auch dem „Energie-Atlas Bayern“, ein Internetportal, das Bürger, Kommunen und Betriebe dabei unterstützt, die Energiewende in Bayern voranzubringen. Schnell und unkompliziert informiert es über den aktuellen Stand der technischen und planerischen Möglichkeiten.Bereits vor fünf Jahren wurde der Energie-Atlas Bayern vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) gemeinsam mit der Bayerischen Vermessungsverwaltung realisiert.

„Zunächst war es ein organisch gewachsenes Gebilde, in das verschiedenste Daten in unterschiedlichsten Formaten einflossen“, erinnert sich Daniel Bauer, der beim LfU für die Aufbereitung der umfangreichen Energiedaten und deren Darstellung im Energie-Atlas Bayern zuständig ist. Der Arbeitsaufwand beim Anpassen, Strukturieren und Pflegen der Daten sei enorm gewesen. Deshalb entschied man sich beim LfU Ende 2014 für eine grundlegende Erneuerung des Systems. 

Das in der Ausschreibung formulierte Ziel war die Schaffung einer konsistenten, effizienten und erweiterbaren Datenhaltung – und das innerhalb weniger Wochen. „Disy hat ein überzeugendes Angebot abgegeben und deshalb den Zuschlag erhalten. Sie haben von Anfang an deutlich gemacht, dass sie ein grundlegendes, tiefes Verständnis für die Problematik haben und dass sie eine einheitliche Lösung mit nur einem Werkzeug anbieten können“, erklärt Daniel Bauer.

Für die Darstellung im Energie-Atlas Bayern werden heterogene Daten aus insgesamt etwa zehn verschiedenen Quellen in einer Oracle-Datenbank zusammengeführt, unter anderem aus den Meldungen aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), Angaben der Betriebliche-Umweltdaten-Berichterstattung (BUBE), Daten des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) und der Bundesnetzagentur (BNA). Das Hauptproblem dabei ist, dass einzelne Energieanlagen in mehreren Datenbeständen mit unterschiedlichen Kriterien erfasst sein können. Im Zuge der Neustrukturierung wurden sie nun anhand ihrer räumlichen Lage und/oder Leistung identifiziert und als eine Anlage zusammengefasst.

Des Weiteren wurden im Rahmen der Datenintegrationsprozesse aus Koordinaten Geometrien erzeugt, Klartexte in Schlüssellisten überführt, Windparks über räumliche Verschneidungen ermittelt und Änderungen an den Daten historisiert. Die Entwicklung der automatisierten Datenintegrationsprozesse erfolgte mit dem ETL-Tool „Talend“, einer Open-Source-Software, unterstützt von Datenbank-Algorithmen. Eine Aktualisierung wird - je nach Datenbestand - täglich bis jährlich durchgeführt.

In der neuen Datenstruktur gibt es nun für jedes Fachobjekt eine Tabelle mit sämtlichen Informationen zur Anlage, wie Kapazität, Lage und Betreiber. Über Cadenza-Fachkataster können - insbesondere durch Hinweise von Bürgern - unvollständige und fehlerhafte Informationen gepflegt und Energieanlagen ergänzt werden. Basierend auf diesen Tabellen wird für jedes Fachobjekt ein WMS- und/oder WFS-Dienst bereitgestellt, um das Thema im Energie-Atlas Bayern darzustellen. Außerdem werden die Kapazitäten der einzelnen Energieanlagen pro Gemeinde, Landkreis oder Regierungsbezirk aggregiert und die aufsummierten Werte der erzeugten Energie pro Energieträger veröffentlicht.

Seit Oktober 2015 ist die überarbeitete Datenbank des Energie-Atlas Bayern im Einsatz und Daniel Bauer kann ein positives Fazit ziehen. „Es gab am Anfang zwar noch erheblichen Anpassungsbedarf, doch das ist der Komplexität der Ausgangslage und der Zielsituation geschuldet. Wir haben schnell gemerkt, dass der Grundansatz von Disy sich bewährt hat, und heute können wir sagen, dass das Ziel erreicht ist“, sagt der Forstingenieur und Geoinformatiker.

Täglich rund 2000 Zugriffe verzeichnet der Energie-Atlas Bayern. Die hervorragend aufbereiteten Seiten zeigen zum Beispiel, wie sich die genutzten Erneuerbaren Energien in einer bestimmten Gemeinde zusammensetzen. Ein interaktives Mischpult verdeutlicht, wie sich eine Biogasanlage, ein Windrad oder eine Photovoltaikfläche auf den Energiemix in der Gemeinde auswirken würden. Ist eine Windenergieanlage geplant, zeigt ein 3D-Tool, wie diese das Landschaftsbild verändern würde, und simuliert den Schattenwurf zu verschiedenen Uhrzeiten.

„Diese komplexen Informationen in Texten und Karten bereitzustellen, ist für uns seit dem Redesign unserer Datenbank mit wesentlich weniger Aufwand möglich“, so Daniel Bauer. Mit Blick in die Zukunft freuen er und seine Kollegen sich, dass das System jederzeit erweiterbar ist. „Es werden ständig neue Daten hinzukommen und auch die lassen sich nun problemlos in die neue Struktur der Fachobjekte integrieren.“

 

Weitere Informationen

Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)
Internetportal Energie-Atlas Bayern
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)
Webseite von Talend
Informationen zu den Dienstleistungen von Disy