Perspektiven zur Digitalen Souveränität: Wie Verwaltungen strategisch handeln können
Verwaltungen stehen unter wachsendem Druck: Datenmengen steigen, Fachverfahren werden komplexer, Analyseanforderungen nehmen zu – und gleichzeitig werden immer mehr IT-Services aus der Cloud bezogen. Was kurzfristig flexibel wirkt, kann langfristig neue Abhängigkeiten schaffen. Viele Entscheidungen, die heute getroffen werden, prägen IT-Architekturen für zehn Jahre und mehr.
Digitale Souveränität wird damit von einem abstrakten Leitbild zu einer ganz konkreten strategischen Frage: Wie behalten Verwaltungen dauerhaft die Kontrolle über ihre Daten, Systeme und Analysefähigkeiten – auch in einer zunehmend cloudbasierten Welt?
Was digitale Souveränität für Verwaltungen wirklich bedeutet
Digitale Souveränität heißt mehr als nur Datenschutz oder den Einsatz europäischer Anbieter. Für Verwaltungen bedeutet sie vor allem: Daten, Prozesse und Analyseumgebungen selbstbestimmt, transparent und langfristig kontrollieren zu können – unabhängig von einzelnen Herstellern, Lizenzmodellen oder Betriebsformen.
Digitale Souveränität entsteht dort, wo Verwaltungen frei entscheiden können,
- wo ihre Daten gespeichert werden,
- wie sie verarbeitet und analysiert werden,
- welche Technologien eingesetzt werden
- und wie leicht ein Wechsel oder eine Erweiterung der Architektur möglich ist.
Dabei geht es nicht um Abschottung, sondern um Gestaltungsfreiheit: Moderne IT, Cloud-Nutzung und Innovation sollen möglich sein – ohne strukturelle Abhängigkeiten.
Warum digitale Souveränität jetzt an Bedeutung gewinnt
Mehrere Entwicklungen verstärken den Handlungsdruck gleichzeitig:
- Neue gesetzliche und regulatorische Anforderungen erhöhen die Anforderungen an Transparenz, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit.
- Steigende Sicherheitsrisiken machen die Kontrolle über Datenflüsse und Systeme unverzichtbar.
- Wachsende Datenanalyse- und KI-Anforderungen erfordern leistungsfähige, flexible Plattformen.
- Cloud-Strategien vieler Verwaltungen geraten in den Spannungsbogen zwischen Innovation und Abhängigkeit.
Immer deutlicher wird: Datenhoheit ist nur dann realistisch, wenn technologische Entscheidungen nicht in langfristige Lock-ins führen.
Politische Impulse: Von der Absicht zur Umsetzung
Auch auf europäischer Ebene gewinnt das Thema an Dynamik. Erst kürzlich hat der CDU-Digitalpolitiker Henri Schmidt, MdB, ein Zehn-Punkte-Programm für echte europäische Digitale Souveränität vorgelegt. Seine zentrale Botschaft: Es reicht nicht mehr, digitale Unabhängigkeit zu fordern – sie muss aktiv gestaltet werden.
Zu den zentralen Forderungen zählen unter anderem:
- Öffentliche Beschaffung als Souveränitätsmotor: Verwaltungen sollen europäische digitale Lösungen gezielt berücksichtigen dürfen, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
- Aufbau einer europäischen KI- und Cloud-Infrastruktur: Eigene Rechenzentren, Chips, Trainingskapazitäten und offene Standards seien zwingend erforderlich.
- Staat als Ankerkunde: Durch Pilotprojekte und garantierte Nachfrage könne der Staat europäische Technologieanbieter stärken.
- Mehr privates und institutionelles Kapital für Zukunftstechnologien: Nur so können europäische Start-ups im internationalen Vergleich skalieren.
- Wissenschaft schneller in die Anwendung bringen: Forschung von Fraunhofer, Max-Planck oder Helmholtz müsse konsequenter in marktfähige Lösungen überführt werden.
- Open Source und offene Schnittstellen als Standard: Für Transparenz, Unabhängigkeit und höhere Innovationsgeschwindigkeit.
- Souveräne Multi-Cloud-Ansätze statt Lock-in: Der Staat dürfe sich weder technisch noch vertraglich an einzelne Anbieter binden; Ziel sei eine offene, interoperable Multi-Cloud.
- Digitale Regulierung wie DMA und DSA beibehalten: Diese schützten Start-ups und Verbraucher und seien ein Standortvorteil.
- Europäische Position gegenüber den USA stärken: Zusammenarbeit ja – aber mit klarer eigener Agenda bei Datenschutz, KI-Sicherheit und Plattformregulierung.
Schmidts Fazit: Europa darf nicht nur Markt sein. Es muss eigene Technologien entwickeln, KI selbst trainieren und souveräne Datenräume schaffen. Das ist die Voraussetzung, um im digitalen Zeitalter selbstbestimmt zu bleiben. Diese politische Stoßrichtung unterstreicht, wie wichtig es für Verwaltungen ist, strategische Weichen jetzt zu stellen.
Wege in die digitale Souveränität: Drei zentrale Perspektiven
Digitale Souveränität entsteht nicht durch eine einzelne Technologie, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer strategischer Entscheidungen.
1. Offene Technologien als Fundament
Offene Standards und Open-Source-Technologien sind ein zentraler Baustein souveräner IT-Architekturen. Plattformen wie PostgreSQL ermöglichen es Verwaltungen,
- ihre Daten unabhängig von proprietären Datenbanksystemen zu betreiben,
- zwischen Betriebsmodellen (On-Premises, Cloud, Hybrid) zu wechseln,
- und langfristige Planungssicherheit zu gewinnen.
Als Partner von EnterpriseDB unterstützt Disy Verwaltungen beim Einsatz von kommerziell unterstützten PostgreSQL-Distributionen – inklusive professionellem Support, erweiterten Sicherheitsfunktionen und hoher Betriebssicherheit.
2. Souveräne Cloud-Modelle für moderne Datenanalyse
Cloud-Technologien sind aus der modernen Verwaltungs-IT nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Abhängigkeiten von internationalen Hyperscalern.
Souveräne Cloud-Modelle bieten hier einen alternativen Weg: Sie ermöglichen skalierbare, leistungsfähige Datenanalyse – bei gleichzeitiger Kontrolle über Datenstandort, Betrieb und Governance.
Mit disy Cadenza as a Service stellt Disy ihre Plattform für Datenanalyse in einer deutschen, souveränen Cloud bereit. Verwaltungen können so moderne Analytics-Funktionen nutzen, ohne die Kontrolle über ihre Daten oder ihre Architektur aufzugeben.
3. Interoperabilität und Integration als Erfolgsfaktor
Digitale Souveränität zeigt sich im Alltag vor allem dort, wo unterschiedliche Systeme zusammenarbeiten müssen. Fachverfahren, Datenquellen und Analysewerkzeuge sollten so integriert sein, dass sie unabhängig weiterentwickelt oder ausgetauscht werden können.
- Interoperable Plattformen ermöglichen Verwaltungen:
- Flexibilität bei der Wahl ihrer Technologiepartner
- Planungssicherheit für kritische Anwendungen
- die schrittweise Integration moderner KI- und Analytics-Werkzeuge ohne sich dauerhaft an einzelne Hersteller zu binden.
Wie Disy Verwaltungen auf dem Weg zur digitalen Souveränität unterstützt
Disy begleitet Verwaltungen seit vielen Jahren bei der strategischen Nutzung von Daten. Der Fokus liegt dabei nicht auf kurzfristigen Technologietrends, sondern auf nachhaltigen Architekturen für Datenanalyse und Entscheidungsunterstützung.
Mit der Analyseplattform disy Cadenza verfolgt Disy einen klaren Ansatz:
- offene Technologien statt proprietärer Abhängigkeiten
- flexible Betriebsmodelle – von On-Premises bis souveräne Cloud
- nahtlose Integration in bestehende Fachverfahren
- langfristige Nutzbarkeit auch bei wachsenden Anforderungen
So entsteht digitale Souveränität nicht als theoretisches Ziel, sondern als praktisch umsetzbares Architekturprinzip.
Fazit: Digitale Souveränität ist eine strategische Entscheidung
Digitale Souveränität ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger Gestaltungsprozess. Politische Impulse, steigende Anforderungen und neue technologische Möglichkeiten zeigen deutlich: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, strategische Weichen zu stellen. Verwaltungen, die heute auf offene Technologien, souveräne Cloud-Modelle und interoperable Plattformen setzen, schaffen die Grundlage für sichere, flexible und zukunftsfähige Datenarchitekturen – und behalten auch morgen die Kontrolle über ihre digitalen Handlungsräume.