Wie Datensouveränität zur Haltung wird

Rückblick auf das Disy Werkstattgespräch 2026

Volle Reihen, intensive Gespräche und eine spürbare Energie: Beim 20. Disy Werkstattgespräch wurde deutlich, wie stark sich der Umgang mit Daten in Organisationen verändert – und weiter verändern muss. Immer mehr Entscheidungen sollen auf einer gemeinsamen Datenbasis entstehen, über Fachbereiche hinweg und mit einem besseren Verständnis für Zusammenhänge. Mehr als 200 Teilnehmende kamen zum Werkstatt-Jubiläum nach Karlsruhe, um genau darüber zu diskutieren.

Durch das Programm führten Dr. Jutta Hammer, disy Cadenza Empowerment Managerin, und Marcus Briesen, Chief Business Officer von Disy. Mit fachlicher Tiefe, Humor und einem sicheren Gespür für Zusammenhänge verknüpften sie technische Entwicklungen, Praxisberichte und strategische Perspektiven zu einem konsistenten Gesamtbild. Im Mittelpunkt stand eine zentrale Frage: Wie können Organisationen Daten so nutzen, dass daraus echte Handlungsfähigkeit entsteht – und Digitale Souveränität im Alltag gelebt wird?

Disy meint es ernst mit Digitaler Souveränität

Digitale Souveränität ist derzeit ein viel diskutierter Begriff. Für Disy ist sie jedoch keine kurzfristige politische Debatte, sondern seit Jahrzehnten Leitidee der eigenen Produktentwicklung.

Geschäftsführer Claus Hofmann machte deutlich, worauf es dabei ankommt: Souveränität entsteht nicht durch Labels oder allein durch den Standort von Rechenzentren. Sie entsteht dort, wo Organisationen die Kontrolle über ihre Daten behalten, jederzeit darauf zugreifen können und ungesunde technische Abhängigkeiten vermeiden – auch, um auf Augenhöhe über Preismodelle verhandeln zu können.

Gerade im Kontext wachsender Datenmengen und neuer Technologien wird das immer wichtiger. Wer dauerhaft handlungsfähig bleiben möchte, muss seine Datenlandschaft verstehen, gestalten und weiterentwickeln können, ohne in starke technische oder wirtschaftliche Abhängigkeiten zu geraten.

„ Digitale Souveränität entsteht nicht durch Labels oder Rechenzentrumsstandorte. Sie entsteht dort, wo Organisationen ihre Daten verstehen, ihre Architektur gestalten und ihre Weiterentwicklung selbst steuern können – ohne sich in technische oder wirtschaftliche Abhängigkeiten zu begeben. ”

Claus Hofmann, Geschäftsführer Disy Informationssysteme

Daten zusammen denken – fachlich, räumlich und organisatorisch

Ein zentrales Thema des Werkstattgesprächs war die Frage, wie Daten nicht nur verfügbar, sondern im Alltag wirksam werden. Datensouveränität bedeutet dabei mehr als Sicherheit und Zugriff – sie zeigt sich darin, Daten zu finden, einzuordnen und für Entscheidungen zu nutzen.

Besonders deutlich wird das beim Zusammenspiel von Fachdaten und Geodaten. Erst wenn räumliche, fachliche und organisatorische Perspektiven zusammengeführt werden, entstehen die Zusammenhänge, die fundierte Entscheidungen ermöglichen.

Der Disy-Ansatz von Business & Location Intelligence greift genau das auf: Daten werden nicht isoliert betrachtet, sondern so aufbereitet, dass sie verstanden, kommuniziert und genutzt werden können. Sandra Schrauth, Chief Consultant bei Disy, und Seniorberater Dr. David Riepl zeigten, wie daraus datenbasiertes Handeln entsteht – strategisch wie operativ.

Dabei geht es immer um das Zusammenspiel mehrerer Handlungsfelder: Daten helfen, Zusammenhänge zu verstehen, Prozesse zu steuern, auf neue Fragestellungen flexibel zu reagieren und Entscheidungen vorzubereiten. Souveränität zeigt sich genau dort – wenn Organisationen Daten explorieren, einordnen und Ergebnisse wieder in ihre Arbeit zurückspielen.

Zugleich wurde deutlich: Daten entfalten ihren Wert erst, wenn sie verständlich gemacht und geteilt werden. Sie ersetzen Kommunikation nicht – sie machen sie wirksam. Damit das gelingt, braucht es mehr als Technologie: eine leistungsfähige Plattform, klare Governance und eine gelebte Datenkultur, die datenbasiertes Arbeiten im Alltag verankert.

Von Datenzugang zu Datendemokratisierung

Neben der technologischen Perspektive spielte auch ein anderer Aspekt eine zentrale Rolle: Datenkultur. Denn Technologie allein reicht nicht aus, um den Wert von Daten zu entfalten. Entscheidend ist, wie Organisationen mit ihnen arbeiten – wer sie nutzt, interpretiert und auf dieser Basis Entscheidungen trifft. Impulse dazu gaben Account Managerinnen Simone Schüssler und Lydia Unger, die zeigten, wie sich Datenkompetenz, Verantwortung und Zusammenarbeit in Organisationen verankern lassen.

„ Daten entfalten ihren Wert erst dann, wenn Menschen sie verstehen und nutzen können. Eine starke Datenkultur verbindet Technologie mit Verantwortung, Kompetenzen und Zusammenarbeit. ”

Simone Schüssler, Leiterin Business Unit Verbraucherschutz bei Disy Informationssyteme

Ein wichtiger Baustein dabei sind Self Service-Ansätze. Wenn Fachbereiche Daten eigenständig analysieren können, entstehen schneller neue Erkenntnisse und fundiertere Entscheidungen. Beraterin Dr. Mareike Schmidtobreick beleuchtete die architektonische Komponente dahinter, während Berater Christian Köhler sich auf Self-Service mit Geodaten fokussierte. Denn Self-Service Location Intelligence ermöglicht es Fachanwender:innen, räumliche Daten selbst zu erkunden und geografische Muster, Beziehungen und Entwicklungen sichtbar zu machen – ohne GIS-Expert:innen sein zu müssen. So können Fachbereiche räumliche Zusammenhänge direkt in ihre Analysen einbeziehen und fundierter entscheiden. Geodaten werden damit vom Spezialwerkzeug zum integralen Bestandteil datenbasierter Entscheidungen.

„ Self-Service bedeutet nicht weniger Kontrolle, sondern mehr Handlungsfähigkeit. Wenn Fachbereiche Daten selbst analysieren können – auch mit räumlichem Kontext – entstehen schneller fundierte Entscheidungen. ”

Christian Köhler, Berater bei Disy Informationssysteme

Wie das in der Praxis funktioniert, zeigten unter anderem die Stadtwerke Karlsruhe Netzservice, die mit datenbasierten Analysen und räumlichen Auswertungen ihre Arbeitsprozesse deutlich effizienter gestalten. Auch das Statistische Landesamt Sachsen zeigte, wie Daten verständlich aufbereitet und veröffentlicht werden können, damit sie faktenbasierte Entscheidungen unterstützen. So wird aus Datenzugang echte organisationale Handlungskraft.

Ein starkes Partnerökosystem für souveräne Datenplattformen

Datensouveränität entsteht selten allein. Sie entwickelt sich in einem Ökosystem aus Technologie, Infrastruktur und fachlicher Zusammenarbeit. Beim Werkstattgespräch wurde daher auch deutlich, wie wichtig starke Partnerschaften sind. Zahlreiche Disy-Partner waren vor Ort und brachten ihre Perspektiven in Gespräche und Diskussionen ein.

So zeigte etwa IONOS, wie souveräne Cloud-Infrastrukturen aufgebaut werden können, die europäischen Anforderungen an Datenschutz, Kontrolle und Transparenz gerecht werden. mgm technology partners präsentierte, wie sich mit der A12-Plattform und disy Cadenza leistungsfähige Daten- und Analyseplattformen für Verwaltung und Organisationen realisieren lassen. Auch die Kooperation mit Diwima im Bereich Verbraucherschutz verdeutlichte, wie datenbasierte Analysen konkrete fachliche Anwendungen unterstützen können.

Gemeinsam wurde sichtbar: Digitale Souveränität entsteht dort, wo Technologien offen integrierbar sind und Organisationen ihre Daten selbstbestimmt nutzen können.

Verantwortungsvoller Einsatz neuer Technologien

Auch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz wurden intensiv diskutiert. Dabei stand weniger die Technologie selbst im Mittelpunkt als die Frage, wie sie sinnvoll in bestehende Datenarchitekturen eingebunden werden kann. Product Manager Simon Schwake und Dr. Johannes Kutterer, leitender Lösungsarchitekt, gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen in disy Cadenza und zeigten, wie KI-Funktionen verantwortungsvoll in Analyseprozesse integriert werden können.

Der Konsens vieler Gespräche: KI entfaltet ihren Mehrwert erst dann, wenn sie auf einer transparenten, nachvollziehbaren und qualitativ hochwertigen Datenbasis aufsetzt. Ebenso wichtig ist, dass Organisationen die Kontrolle über Daten, Modelle und Infrastruktur behalten. Gerade im öffentlichen Umfeld ist das entscheidend. Denn dort geht es nicht nur um Effizienz, sondern auch um Digitale Souveränität, Nachvollziehbarkeit, Vertrauen und Transparenz.

Community, Austausch und gemeinsame Weiterentwicklung

Neben den fachlichen Themen war vor allem eines spürbar: die Stärke der Community. Seit inzwischen zwanzig Jahren bringt das Disy Werkstattgespräch Menschen zusammen, die an datenbasierten Lösungen für Verwaltung, Infrastruktur und Gesellschaft arbeiten.

Fachforen, Gespräche zwischen den Sessions und intensive Diskussionen zeigten, wie wertvoll dieser Austausch ist. Viele Ideen entstehen genau dort – wenn Erfahrungen geteilt und Perspektiven zusammengeführt werden. Zum Abschluss des Tages durfte natürlich auch das Feiern nicht fehlen. Am Abend sorgte die Disy-Firmenband AC/Disy mit einer Auswahl bekannter Klassiker für Stimmung. Gemeinsam wurde gesungen, gelacht und weiter diskutiert – ein gelungener Ausklang eines Tages voller fachlicher Impulse.

20 Jahre Werkstattgespräch – und ein klarer Auftrag

Zwanzig Jahre Disy Werkstattgespräch stehen für zwei Jahrzehnte technologische Weiterentwicklung, fachlichen Austausch und partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Was sich verändert hat, sind Technologien und Rahmenbedingungen. Was geblieben ist, ist der Anspruch: Organisationen in die Lage zu versetzen, selbstbestimmt zu handeln. Das Werkstattgespräch 2026 hat gezeigt: Digitale Souveränität ist kein Trendbegriff. Sie ist eine Haltung. Und sie beginnt dort, wo Technologie, Verantwortung und Kultur zusammenspielen.

Ausgewählte Vorträge als Videos on Demand

Das Disy Werkstattgespräch 2026 war vollgepackt mit spannenden Insights – so viele, dass man sie kaum alle direkt aufnehmen kann. Auf unserem YouTube-Kanal stellen wir daher zeitnah ausgewählte Vorträge in der Playlist „Disy Werkstattgespräch 2026" bereit. 

Für alle Mitarbeitenden aus Bundes- und Landesbehörden stellen wir auf Anfrage auch gerne die Vortragsfolien zur Verfügung. Einfach eine E-Mail an werkstatt@disy.net schicken.

 

Bildrechte: Disy Informationssysteme GmbH/Helge Krückeberg

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