Daten aus Fachverfahren besser nutzen: Warum die Verwaltung über Systemgrenzen hinausdenken muss

Symbolbild für digitale Vernetzung und Datenaustausch: Eine leuchtende Weltkugel schwebt über einer Hand, umgeben von miteinander verbundenen Datenpunkten und Netzwerklinien

In Verwaltungen entstehen täglich wertvolle Daten – in Fachverfahren, Datenbanken und digitalen Anwendungen. Doch oft bleiben diese Informationen auf einzelne Systeme beschränkt. Wie können Verwaltungen ihre Daten übergreifend nutzen, neue Zusammenhänge erkennen und fundiertere Entscheidungen treffen?

Viele Daten, aber kein gemeinsames Bild

Ob Umweltverwaltung, Verkehrsplanung oder Haushaltssteuerung: Fachverfahren sind aus dem Verwaltungsalltag nicht wegzudenken. Sie unterstützen die Bearbeitung konkreter Aufgaben, strukturieren Prozesse und sorgen dafür, dass Informationen zuverlässig erfasst und verarbeitet werden.

Doch was für den einzelnen Fachprozess gut funktioniert, stößt bei übergreifenden Fragestellungen oft an seine Grenzen. Daten liegen verteilt in unterschiedlichen Anwendungen, Datenbanken oder Excel-Tabellen. Wer Informationen aus mehreren Bereichen zusammenführen möchte, muss sie oft zunächst aufwendig exportieren, aufbereiten und miteinander verknüpfen.

Dabei entstehen viele relevante Fragestellungen gerade dort, wo unterschiedliche Daten zusammenkommen. Wie entwickeln sich bestimmte Kennzahlen über mehrere Jahre? Welche regionalen Unterschiede gibt es? Und welche Zusammenhänge werden sichtbar, wenn Informationen aus verschiedenen Fachbereichen gemeinsam betrachtet werden?

Das Problem ist also in der Regel nicht ein Mangel an Daten, sondern ihre eingeschränkte Nutzbarkeit über einzelne Anwendungen hinaus.

Daten sollten nicht an Fachverfahrensgrenzen enden

Eine datenzentrierte Perspektive setzt genau hier an: Daten werden nicht ausschließlich als Bestandteil einzelner Fachverfahren betrachtet, sondern als Informationsgrundlage, die auch für weitere Aufgaben genutzt werden kann.

Dafür müssen vorhandene Systeme nicht zwangsläufig ersetzt werden. Vielmehr geht es darum, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zugänglich zu machen, sinnvoll miteinander zu verknüpfen und für verschiedene Anwendungsfälle bereitzustellen.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Datenanalyse-Plattformen, die auf bestehende Datenbestände zugreifen und diese gemeinsam auswertbar machen. So lassen sich beispielsweise Fachdaten mit Geoinformationen kombinieren, zeitliche Entwicklungen analysieren oder Kennzahlen aus unterschiedlichen Bereichen in einem gemeinsamen Dashboard darstellen.

Die Fachverfahren bleiben dabei weiterhin für ihre jeweiligen Aufgaben zuständig. Ihre Daten können jedoch auch über den ursprünglichen Anwendungszweck hinaus genutzt werden.

Aus der Praxis: So macht es Schleswig-Holstein

Wie Fachverfahren und Datenanalyse zusammenspielen können, zeigt Schleswig-Holstein. Im Rahmen der landesweiten Microsoft Access-Ablösung nutzt das Land die A12 AI Low Code Plattform unseres Partners mgm, um Fachverfahren und Portale schnell und flexibel zu entwickeln. Für die übergreifende Datennutzung setzt Schleswig-Holstein auf disy Cadenza als zentrale Komponente für Datenanalyse und Informationsbereitstellung.
 

Ein aktuelles Beispiel ist ein Projekt für das Umweltministerium MEKUN. Hier entsteht eine integrierte Lösung zur Erfassung und Auswertung von Probenahmen im Meeresboden. Ein A12-Fachverfahren ersetzt eine Altanwendung zur Datenerfassung. Mit disy Cadenza lassen sich die erfassten Daten dann anschließend umfassend analysieren, statistisch auswerten und mit Geoinformationen verknüpfen.

Beide Lösungen greifen dabei direkt ineinander: Messstationen und Untersuchungsgebiete können geografisch erfasst und auf Karten dargestellt werden. Die Analysefunktionen von disy Cadenza sind unmittelbar in die Fachanwendung eingebunden. So stehen Fachdaten und räumliche Auswertungen in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung zur Verfügung.
 

Um das Zusammenspiel künftig weiter zu vereinfachen, arbeiten Disy und mgm an einem Connector zwischen A12 und disy Cadenza. Er soll den Datenaustausch automatisieren und die Einbindung von Analysen und Visualisierungen in Fachanwendungen erleichtern.

Vom Fachverfahren zur gemeinsamen Datengrundlage

Fachverfahren bleiben ein wichtiger Bestandteil der Verwaltungsdigitalisierung. Sie bilden Prozesse ab, unterstützen die tägliche Arbeit und stellen die strukturierte Erfassung von Informationen sicher.

Ihr Potenzial wächst jedoch, wenn die darin enthaltenen Daten auch für andere Fragestellungen verfügbar werden. Aus isolierten Datenbeständen können so gemeinsame Informationsgrundlagen entstehen, die fachübergreifende Analysen, mehr Transparenz und fundierte Entscheidungen ermöglichen.

Der Weg zur datengestützten Verwaltung beginnt deshalb nicht zwangsläufig mit neuen Anwendungen, sondern mit einem anderen Blick auf die vorhandenen Daten: weg von einzelnen Systemen, hin zu ihrer gemeinsamen Nutzung.

Mehr zum Thema

Disy und mgm haben das Zusammenspiel von Fachanwendungen und Datenanalyse auf der Smart Country Convention 2026 gemeinsam vorgestellt. Weitere Einblicke in Umsetzung und das Praxisbeispiel Schleswig-Holstein gibt es im Fachbeitrag unseres Partners mgm.

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